Neue Untersuchung benennt konkrete Ansätze, um Potenziale zu bündeln, zudem Schöpfergeist in Forschung und Wirtschaft für einen gelingenden Strukturwandel gezielter zu nutzen

Region Aachen, 22.06.2021 – Mit 300 Anmeldungen zur Zoom-Konferenz war die Vorstellung der Innovationsstudie für das Rheinischen Revier eines der größten Online-Events der Region Aachen in 2021. Als Ergebnis empfahl das beauftragte Fraunhofer IMW drei Handlungsfelder: Langfristige Neuordnung der Akteurslandschaft, Vernetzung und Kooperation im Innovationsprozess unterstützen, Integration und Koordination für ein gemeinsames Revier.

Leuchttürme aufbauen, kooperative Netzwerke stärken sowie alle Akteur*innen im Rheinischen Revier noch besser integrieren und koordinieren: Das sind die drei großen Arbeitsaufträge, welche sich aus der neuen Innovationsstudie für die Zukunftsagentur Rheinisches Revier und alle ihre Partner*innen ergeben. Die wissenschaftliche Untersuchung hat der Revierknoten „Innovation und Bildung“ der Zukunftsagentur in Auftrag gegeben und am 22.06.2021 in einer Online-Veranstaltung öffentlich vorgestellt.

Die knapp 150 Seiten umfassende Innovationsstudie hat auf drei Ebenen Stärken und Schwächen des regionalen Innovationssystems untersucht:

  • vorhandene und fehlende Akteure
  • Interaktion zwischen den Akteuren
  • politisch-strukturelle Rahmenbedingungen für Wissensaustausch

Dies hat gezeigt, dass das Rheinische Revier zwar über eine exzellente Forschungslandschaft, eine vielseitige, wenngleich zu stark fragmentierte Wirtschaftsstruktur und eine gute Vernetzung innerhalb der Wissenschaft verfügt. Zu den Problemen gehören jedoch, dass die Zusammenarbeit der lokalen Wirtschaft mit dem Forschungssektor noch Lücken aufweist, viele Absolvent*innen die Region verlassen und mit ihnen auch potenzielle Start-ups woanders Fuß fassen. Bürokratie und Doppelstrukturen erschweren zudem, den Strukturwandel mit hohem Tempo und gezielt voranzutreiben. Diese und weitere identifizierte Schwächen bedingen, dass das Rheinische Revier im Vorjahr in vielen wirtschaftlichen Indikatoren hinter dem Landes- und Bundesdurchschnitt geblieben ist. Das wiederum bremst einen innovationsgetriebenen Strukturwandel. Doch dem lässt sich gegenwirken.

Denn die Studienergebnisse benennen gleichsam zehn klar umrissene Bereiche („Innovationsfelder“), in denen quantitativ und qualitativ große Kompetenz besteht, sodass Innovationskraft sich auf diese fokussieren kann: Alternative Antriebstechnologien, Aviation, Bioökonomie, Digitale Medizin, Energiesystem der Zukunft, Katalyse, Nanoelektronik, Neue Materialien und Werkstoffe, Quanten- und Supercomputing, Zukunftsfähige Industrie.

Um die Akteurslandschaft künftig neu zu ordnen und Anreize zum Gründen und Ansiedeln zu schaffen, erteilt die Studie die Handlungsempfehlung, zunächst zwei bis drei Innovationsfelder als Leuchttürme aufzubauen. Diese sollen künftig als „Zugpferde“ dienen, um die Wirtschaft im Revier weiterzuentwickeln und Spezialisierungsvorteile zu erreichen. Auch eine stärkere Vermittlung zwischen Wirtschaft und Forschung mit dem Ziel, Innovationen von der Theorie in die Praxis zu überführen und für den Markt zu verwerten, steht auf der To-Do-Liste, die sich aus der Studie ergibt. Begleitend ist zudem eine thematische Gründungsförderung entlang der Innovationsfelder sinnvoll, um Start-ups auf den Weg zu bringen und im Revier zu halten.

Für die Zukunftsagentur als Mitgestalterin des Strukturwandels besonders relevant ist der Handlungsbedarf, den die Studie im Bereich Integration und Koordination sichtbar macht. Demnach müsse eine steuernde Hand die stark fragmentierte Akteurslandschaft in der Region ordnen, regionale Identität nach innen und außen entwickeln, Förderzugänge vereinfachen und unterstützen sowie das Rheinische Revier ganzheitlich betrachten.

Wirtschafts- und Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart: „Damit der Strukturwandel im Rheinischen Revier gelingt, müssen wir die Potenziale der lokalen Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen noch stärker nutzen. Die vorliegende Studie gibt uns Hinweise über die Stärken des Rheinischen Reviers und die erforderlichen Maßnahmen, um das Innovationsgeschehen weiter zu beschleunigen. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Rheinischen Reviers hin zum Innovation Valley, dem weltweit größten Klimaschutzprojekt, in dem die zukunftsweisenden Technologien von morgen entstehen.“

Die vollständige Studie lässt sich hier herunterladen: https://www.rheinisches-revier.de/ueber-uns/downloads