Rückblick auf den Frühjahrsempfang der NRW-Regionen

Aktuelle Strukturdaten und ausgewählte Praxisbeispiele für Regionalentwicklung waren Gegenstand der Diskussion auf dem Empfang von regionen.nrw in Düsseldorf. regionen.NRW ist der Zusammenschluss der acht regionalen Entwicklungs- und Marketingorganisationen in Nordrhein-Westfalen. Er dient dem Austausch, der Abstimmung und der strategischen Kooperation mit der Landesregierung. Inhaltlicher Schwerpunkt des diesjährigen Treffens: Wachstum und Schrumpfung. Die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH hat in diesem Jahr die Veranstaltung organisiert und moderiert.

Unstrittig war bei den Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, dass nur der regionale Maßstab und Handlungsrahmen zu einem Ausgleich zwischen schrumpfenden und wachsenden Regionen führen kann.

„Die Bedeutung der Regionen wächst, denn Zusammenarbeit zahlt sich aus“, sagte NRW-Stadtentwicklungsminister Michael Groschek. „Regional abgestimmte Konzepte sind – wie bei dem Programm REGIONALE – Voraussetzung für erfolgreiches Handeln, um modellhafte Lösungen für die Zukunftsfragen etwa des ländlich geprägten Raumes zu entwickeln und umzusetzen. Die großen Herausforderungen lassen sich in Zukunft nur partnerschaftlich im Verbund von Stadt und Umland bewältigen. Dazu startet das MBWSV am 3. Juni die Initiative StadtUmland.NRW – Zukunftskonzepte für Großstädte und ihre Nachbarkommunen im Metropolraum NRW‘. Gemeinsam schaffen wir Heimat.“

Wichtig sei, so der Minister, eine schlüssige Perspektive zu entwickeln, wohin und wie die Entwicklung für eine Region gehen soll. Sie sei zum einen für die Wirtschaft wichtig, die daraus ihr Selbstbewusstsein ziehen würde und zum anderen für die Menschen, die sich mit ihrer Region – ihrer Heimat – identifizieren. Heimat sei das eigentliche Megathema, die eigentliche Schlüsselaufgabe für Strukturentwicklung.

Die Regionen Nordrhein-Westfalens mit ihren Entwicklungsorganisationen haben sich seit einigen Jahren schon auf den Weg gemacht, Strukturentwicklung in einem größeren Radius zu etablieren. 2013 haben sie sich dann zudem gemeinsam aufgestellt und unter dem Dach regionen.nrw versammelt, um sich als strategische und operative Partner des Landes zu positionieren. „Das steht für den Anspruch, die Kooperation weiter zu vertiefen und durch einen intensiven fachlichen Austausch sowie wirkungsvolle und schnelle Abstimmungsprozesse zu wichtigen Themen der Landesentwicklung Katalysator für strukturpolitische Initiativen und Programme zu sein“, so Bodo Middeldorf von der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH in seiner Rede. „Starke Regionen. Starkes Land“ ist dann auch der Slogan des Zusammenschlusses „regionen.NRW“. Ziel ist, die Entwicklung der Teilräume und damit des Landes Nordrhein-Westfalen voranzubringen.

Das Inputreferat „Die Regionen Nordrhein-Westfalens: Trends und Perspektiven“ von Prof. Dr. Rainer Danielzyk von der Leibniz Universität Hannover, Akademie für Raumforschung und Landesplanung lieferte wertvolle Daten für die Arbeit der Regionen. Sie zeigten, dass Schrumpfung und Wachstum Phänomene sind, die durchaus auch räumlich eng beieinander liegen. Prof. Danielzyk erläuterte, dass „Stadt“ nicht immer ausschließlich Wachstum bedeutet und dass es in NRW durchaus prosperierende ländliche Regionen gibt – neben wachsenden Städten und strukturschwachen ländlichen Kreisen. Wichtig sei der differenzierte Blick, um Handlungsperspektiven zu entwickeln. Gedacht und gehandelt werden sollte in integrativen, querschnittorientierten Formaten. Eine Entwicklungsstrategie sollte durchaus auch plakative Highlights definieren. Strukturentwicklung sollte allerdings nicht dem Markt überlassen werden, sondern hätte Anspruch auf politische Gestaltung. Er warnte davor, einem vermeintlichen Idealbild einer vitalen Region nachzueifern. Jede regionale Strukturentwicklung ist eine individuelle Lösung.

Regionenspezifische Besonderheiten und Problemstellungen klangen in der anschließenden Diskussion an. Vertreter der Kommunen und Regionen berichteten aus ihrer Erfahrung. Der Stadtbaurat der Stadt Bergisch-Gladbach, Stephan Schmickler, Vertreter aus einer eher ländlichen Region sieht sich stark im Windschatten der expandierenden Stadt Köln. Er sprach insbesondere die Problematik des Pendlerverkehrs an. Im Umland von Köln leben zahlreiche Arbeitnehmer, die täglich ihren Arbeitsplatz in Köln aufsuchten. Um sich als Wohnort zu etablieren und damit am Wachstum der Stadt Köln teilzuhaben, müssten die Mobilitätsprobleme der Pendler gemeinsam gelöst werden – auch in Kooperation mit dem Land, um den ÖPNV entsprechend zu qualifizieren und auszubauen.

Der Bürgermeister der Stadt Altena, Dr. Andreas Hollstein, nannte konkrete, bereits umgesetzte regionale Kooperationsprojekte: Gewerbeflächen werden gemeinsam vermarktet, Teile der Verwaltung werden nicht mehr von jeder einzelnen Kommune betrieben, sondern konnten zusammengeführt werden. Und nicht zuletzt konnte eine interkommunale Sekundarschule errichtet werden. Diese Grundlage für eine gute, differenzierte Bildung ist für ihn ein zentrales Zukunftsthema.

Regionale Kooperation ist im Ruhrgebiet seit vielen Jahrzehnten eingeübt und steht doch immer wieder vor neuen Herausforderungen. Josef Hovenjürgen, Vorsitzender der Verbandsversammlung im Regionalverband Ruhr, berichtete von den Schwierigkeiten, einen gemeinsamen Regionalplan aufzustellen.

Einen Abschlussappell richtete der Oberbürgermeister der Stadt Bielefeld, Pit Clausen, auch an Bund und Land: Um Regionenvielfalt zu entwickeln, müsste das Angebot der Förderprogramme strukturierter erfolgen. „Die Hilfe von Bund und Land ist oft nicht zielgerichtet in der wild verzweigten Landschaft der Fördermöglichkeiten“, sagte er. Ressortübergreifende Förderungen machten mehr Sinn.

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